
Diese Reise ergab sich kurzfristig durch Vermittlung von Antje und Frank Burkhardt, da ich bereits anlässlich meines Aufenthaltes bei Antje und Frank im Frühjahr 2026 den Bootseigner der Segelyacht „GRETA“ kennengelernt hatte.
Es bestand aufgrund akuter Erkrankung der Frau des Bootseigners kurzfristiger Hilfebedarf das Schiff von Licata auf Sizilien nach Almerimar in Spanien ins Winterlager zurückzubringen. Ich war spontan bereit, 14 Tage an dem Überführungstörn teilzunehmen.
Eigentlich war der Törn mit 3 Personen geplant, jedoch hatte sich der Freund des Eigners unmittelbar vor Reiseantritt den Arm gebrochen und eine OP drohte. Der fiel also leider aus!
Bei dem Schiff handelte es sich um eine Malö 39 (12,20 x 3,70 x 1,83 m) ausgestattet für große Fahrt mit Lloyds Zertifikat, Beiboot an Davids mit Außenborder, EPIRB, autom. John Buoy, Lifesling, Open Ocean Rettungsinsel, Radar, Starlink, Autopilot, Wassermacher, AIS, Funk, redundanter Navigation, Bugstrahlruder, diversen Solarkollektoren, Hydrogenerator, WLAN im Schiff, Kutterstag mit Kutterfock auf Rollanlage, Genua auf eigener Rollanlage, Parasailor, E-Winsch, 480 Liter Wasser, 250 Liter Diesel, Maststufen, Teakdeck, 2 Toiletten, 230 V Bordnetz mittels Konverter, feste Scheibe im Cockpit, Bimini und zusätzliche seitliche Meshes als Sonnenschutz usw……

„SY GRETA“ unter Parasailor

„SY GRETA“
Wir starteten am 31.08.2026 gemeinsam vom BER, waren gegen 23.00 Uhr am Schiff, gingen noch Essen und lagen gegen 1.30 Uhr erschöpft und bei großer Hitze (ca. 30 Grad im Schiff) in der Koje. Ventilatoren halfen dabei überhaupt schlafen zu können.
Leider ist der Bootseigner bereits schwer erkältet in Berlin gestartet, was sich noch als Problem herausstellen sollte.
Am 01.09.2026 gingen wir zunächst gemeinsam Proviant einkaufen, räumten alles ein, reinigten das Boot und es erfolgte eine erste Einweisung in die umfangreiche und tlw. für mich neue Bootstechnik (Wassermacher, Starlink, Radar, Solarmodule, Hydrogenerator). Abends kommen Antja und Frank an Bord, welche vor dem Hafen ankern und wir gehen abends gemeinsam essen.
Am 02.09.2026 starte ich den Tag nach einer Nacht mit wenig Schlaf (Hitze!) und gehen nochmals mit A + F gemeinsam einkaufen. Den Bootseigner habe ich aufgrund des extremen Hustens ins Krankenhaus geschickt um abzuklären was er hat und ggf. Medikamente zu erhalten. Es galt auszuschließen, dass wir unterwegs aufgrund Erkrankung Probleme bekommen.
Ich bleibe derweil an Bord und kümmere mich um kleine Reparaturen.
Diagnose nach Rückkehr: Schwere Bronchitis! Er bekommt Paracetamol Tabletten und Inhalationen verschrieben.
03.09.2026. Der Skipper besorgt sich die Medikamente und ein elektr. Inhalationsgerät und beginnt die Therapie. Wir beschließen aufgrund der Bronchitis mit dem Auslaufen noch zu warten. A+ F kommen zum Kaffee, abends ruft eine Pizzeria.

Die beiden Crews (3 x Frank!)
04.09.2026. Endlich geht es los, gemeinsam mit „SY TOROA“ in Richtung Westen. Unterwegs bemerke ich, dass wir nur AIS Schiffe bis ca. 1,5sm Entfernung sehen und auch die Funkverbindung zu „SY TOROA“ mehr schlecht als recht ist. Also Fehlersuche. Nach einiger Zeit fällt uns auf, dass schlichtweg die Funkantenne oben auf dem Mast fehlt. Ist wohl in der Liegezeit im Hafen oder bei Sturm abgefallen, war bei Ankunft noch dran! Ganz schlecht! Gottseidank befindet sich eine 2. Antenne auf dem Masttopp, die der Bootseigner nach einiger Zeit wieder aktivieren und an den AIS Transmitter anschließen kann. Alles funktioniert abends wieder. Segeln bei leichten Winden etwa 41 sm bis Capo Bianco und werfen Anker auf 4 m Tiefe vor eindrucksvollen Kreidefelsen. Es wird wieder einmal eine Nacht mit wenig Schlaf aufgrund des heftigen Rollens des Schiffes in der Dünung. Eine Schlaftablette hilft mir letztlich!
05.09.26. Kurz nach dem Aufholen des Ankers gib es einen Bilgenalarm und die Sichtung ergibt: Viel Wasser in der Motorbilge. TW Pumpe läuft permanent, also Leck in der Trinkwasseranlage! Wir suchen das Leck und finden es im Wellenbereich, dort war eine Befestigung der TW Leitung gebrochen, Leitung fiel auf Welle und scheuerte aufgrund deren Rotation durch. Skipper ersetzt den Schlauch auf See und wir pumpen etwa 22 Liter Wasser aus der Bilge ab. Schweißtreibend bei der Hitze!
Während des Segelns fällt AIS Signal erneut aus. Wir stehen vor einem Rätsel. Rebooting des Navi-Systemes behebt den Fehler….die Technik halt. Danach tauchte das Problem nicht wieder auf!
Wir segeln 44 sm, werden kurzfristig von Delfinen begleitet, die direkt neben dem Schiff hoch aus dem Wasser springen. Toll!

Weniger toll ist dann, dass die Steuerbordtoilette beim Segeln überläuft, wir müssen künftig doch das Seeventil schließen, da offenbar das (gerade erneuerte) Rückschlagventil nicht ganz dicht ist.
Der Anker fällt unmittelbar vor der Hafenmole von Mazzara des Vallo. Wieder einmal haben wir Schlafprobleme, da am Ufer ab 23.00 Uhr eine Disco offenbar die ganze Welt beschallen will. Die Bordwände beben bei den Bässen und Ohrstöpsel müssen den Lärm mindern!
06.09.26. Wir blasen das Dinghy auf, montieren den Außenborder und fahren durch den Hafen und einen furchtbar dreckigen Kanal in die Mitte der Stadt und kaufen einige Lebensmittel nach, dann geht es 25 sm weiter zur Isla Favignana in die Cala Azzura an eine freie Muringtonne in türkisblauem, kristallklarem Wasser (ein Traum), nachdem wir ein entsprechendes Permit online gelöst hatten (Naturschutzgebiet). Wir bekommen das Großsegel nur mit Mühe runter, wenden mehrfach damit das durchgelattete Segel umschlägt und bekommen es letztlich dann runter. „SY TOROA“ liegt wieder neben uns! Die Bucht ist ruhig, endlich wieder Schlaf!

„SY TOROA“ vor Anker
07.09.26. Wir legen recht früh ab und bekommen das Großsegel nicht komplett gesetzt, die letzten 30 cm fehlen. Das Großsegel lässt sich nun aber weder weiter setzen noch bergen auch Wenden bringen nichts. Wir versuchen alles Erdenkliche, es rückt und rührt sich keinen Millimeter und wir sind ein wenig ratlos woran das liegen könnte. Ich hole mir letztlich ein Fernglas und versuche trotz der Wellen das Masttopp genauer anzuschauen und meine zu erkennen, dass die Einläufe von Dirk und Großfall nicht mehr auf einer Höhe liegen. Meine Vermutung: Großfallrolle gebrochen, Fall eingeklemmt!
Also mit gesetztem Segel zurück an die Muringtonne, Segel mit Bullenstander backstellen damit die Tonne bei dem Wind nicht andauernd übersegelt wird. So liegend kann nun mittels der Maststufen der Mast erstiegen werden. Diese Tätigkeit übernimmt glücklicherweise Frank Burkhardt mit seinem Klettergurt, da „TOROA“ noch von der Nacht an der Muringtonne neben uns liegt. Sichtung ergibt, dass tatsächlich die Rolle gebrochen war, das Fall seitlich daneben gerutscht und so verklemmt war, dass es auch mit Hebelkraft nicht zu befreien war. Die Dirkrolle wurde dadurch ebenfalls blockiert!

Eingeklemmtes Großfall
Nachdem Frank bereits das Messer angesetzt hatte, kam mir noch die rettende Idee. Frank konnte die hochlaufende Part des Falls aus dem oben offenen Mast rausfischen und uns außen am Mast runterreichen, wo wir ein Auge einbanden und dann mittels weiterer Leine und einer Winsch am Mast das Fall mit Gewalt rauszogen. Nun ließ sich das Segel bergen! Puuhhhh! Was für ein Akt!
Wir zogen anschließend die Dirk raus und scherten auf dieser Rolle ein neues Großfall ein. Alles in allem hat die Aktion 5 h in glühender Hitze (einschließlich Sonnenbrand) gedauert. Headsets halfen bei der Kommunikation von unten zum Mast.
Wir fahren danach gemeinsam aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nur rund 9 sm weiter, ankern in einer Bucht und genießen das Essen in einem wunderschön in einem Pinienwald gelegenen Restaurant zusammen mit der Toroa Crew. Das Dinghy bringt uns in stockfinsterer Nacht über felsigen, flachen Grund zurück auf die Schiffe. Leider aufgrund der Hitze wieder eine Nacht mit wenig Schlaf!
08.09.2026. Wir fahren gemeinsam 12,5 sm unter Motor zur Isla Marettimo weiter und machen erneut an Muringtonnen fest, baden und erholen uns bevor es am nächsten Tag nach Sardinien rüber gehen soll. Antje hatte einen leckeren Kuchen gebacken, den wir nachmittags gemeinsam im Cockpit mit einem Kaffee genießen. Wir gehen früh in die Kojen um früh starten zu können.
09.09.2026/ 10.09.2026. Das Wetterfenster scheint günstig, so starten beide Schiffe um 7.00 Uhr parallel und mit Funkkontakt Richtung Sardinien. Distanz etwa 150 sm! Zunächst leider erwartungsgemäß 7 h unter Motor, bevor dann guter Segelwind aufkommt. Wir verabreden einen 4 h Wachrhythmus ab 22.00 Uhr. Ich bin ab 2.00 Uhr dran, kann aber aufgrund heftiger Schiffsbewegungen mal wieder nicht schlafen und begebe mich bereits ab 1.00 Uhr wieder ins Cockpit. Da der Mond nicht scheint, fahren wir tlw. mit bis zu 8 kn in ein absolut „schwarzes Loch“. Man kann nicht weiter als bis zur Bugspitze sehen und muss Vertrauen haben, dass nichts Unbeleuchtetes vor dem Schiff im Wasser schwimmt. AIS und Radar helfen bei Schiffen und Netzen mit Radarreflektor, dennoch muss man permanent aufmerksam sein. In der Ferne Wetterleuchten wegen schwerer Gewitter, die uns aber verschonen!
Kurz vor dem Hafen kommt dann die erwartete Winddrehung mit Starkwind bis 24 kn von vorne und extrem schnell steigenden Wellen. „GRETA“ stampft schwer und nimmt viel Wasser über, wir beginnen unter Motor leicht zu kreuzen um überhaupt noch voran zu kommen, trotz starkem Motor. Gischtwolken fegen über das Deck und wir sind beide müde noch kämpfen zu müssen. Nach 25,5 h machen wir in nach kurzem Tankstopp (122 Liter Diesel für 313,- €!!!) in der Marina Villasimius an einer Muring fest und Essen erst einmal etwas Kräftigendes. „SY TOROA“ trifft etwa 3 h später ein und ankert frei vor dem Hafen.
Wir sind inzwischen bereits wieder im Tagesrhythmus und können trotz Übermüdung nicht schlafen, gehen einkaufen und uns anmelden! Beide haben wir die Nacht als hart empfunden, Antje und Frank ging es ebenso, da ständig Manöver anstanden (Einrollen, Motor, Ausrollen, Reffen, Einrollen, Motor….).
Abends gehen wir alle gemeinsam in einem wunderbaren Fischrestaurant essen und fallen dann gegen 22.00 Uhr nach rund 40 Stunden ohne Schlaf endlich in die Koje. Das war echt hart!
11.09.2026. Wir brechen gegen 9.00 Uhr weiter nach Westen Richtung Carloforte (ca 70 sm) auf, wollen aber noch einen nächtlichen Zwischenstopp einlegen. Wir merken schnell, dass immer noch eine erhebliche Welle steht, die das Vorankommen mühsam macht und zudem der aktuellste Wetterbericht doch nicht so gut ist, wie noch am Vortag angenommen, so dass wir gemeinsam beschließen umzukehren und den anstehenden Crewwechsel in der Marina Villasimius zu vollziehen. Wir legen daher nach rund 4 sm erneut an dem Liegeplatz der letzten Nacht an und kaufen bereits für die nächsten Tage ein, damit nach Crewwechsel keine Zeit bis zum erneuten Aufbruch verschwendet wird. Ich kümmere mich derweil um meine Flugbuchung und die Transportmittel zum Flughafen.
Da nachmittags heftiger Wind aufkommt und wir das Schiff ein wenig weiter vom Steg weglegen wollen, dampfen wir in die verlängerten Heckleinen ein, drücken das Schiff mit dem Bugstrahler gegen den Wind, damit ich die Muring weiter dichtholen kann, trotzdem ein Kraftakt (12 to Schiff). Leider kommt bei der Aktion die Muringleine in den Bugstrahler und blockiert diesen.
Letztlich bleibt mir nichts anderes übrig als mit Taucherbrille ins Hafenwasser zu springen und das Problem mit einiger Mühe zu beheben. Bugstrahler ist heil geblieben! Bei 30 Grad Wassertemperatur und sauberem Hafen gottlob kein ernstes Problem!
Das neue Crewmitglied kommt abends an Bord und wir lassen den Abend in einem schönen Restaurant bei Pizza und Bier und einem Absacker an Bord ausklingen!
12.09.2026. Um 10.30 Uhr verlasse ich „GRETA“, verabschiede mich auch von Antje und Frank und fahre zunächst mit einem Shuttlebus, dann mit einem Überlandbus und anschließend mit der Bahn zum Flughafen Cagliari. Die Lufthansa bringt mich mit Zwischenlandung in München nach Berlin und ein Taxi letztlich nach Hause. Gegen 0.00 Uhr bin ich müde wieder daheim und blicke auf einen erlebnisreichen Törn zurück. Leider konnten wir aufgrund der hier erläuterten Probleme das eigentliche Zwischenziel – die Balearen – nicht erreichen. Segeln ist halt nicht immer planbar!
Frank Deißler
